Angst
Mit den Jahren hat man sich eine dicke Haut zugelegt, geprägt von bestimmten Erlebnissen, Entäuschungen, Niederlagen und Konflickten, die man im Laufe der Zeit durchlebt hat. Je älter man wird, desto mehr geliebte Menschen verliert man durch ihren Tod. Auch wenn wir wissen, dass der Tod zum Leben gehört und für schwer Leidende eine Erlöung sein kann, erschüttert uns die Tatsache, dass er endgültig ist und unwiederbringlich.
In unruhigen Zeiten wie diesen beginnt man sich allmählich vor TV. - Nachrichten zu fürchten, in denen von Kriegen, unfassbarem Leid und Zerstörung berichtet wird und tiefschwarze Rauchschwaden zerbomter Häusern in den Himmel steigen.
Die Verantwortung liegt vorwiegend bei machtbesessenen Autokraten, die außer einem gewinnorientierten Kalkül und ihrer grenzenlosen Selbstüberschätzung mit einem kümmerlich flachgeistigen Ambiente im Kopf ausgestattet sind. Diese Rechnung aber bezahlt ausschließlich die Bevölkerung im Kriegsgebiet.
Wenn sich Ereignisse überschlagen, die auf die Magengrube zielen, ist man geneigt, Berichte über brutale Geschehnisse in den Tageszeitungen hastig zu überblättern und nach Schönerem zu suchen,- um diese Eiseskälte, die langsam in unsere Seelen kriecht, aufzuhalten.
Wer aber ist schuld an dieser rasant zunehmenden Gewaltbereitschaft? Die Erziehung, fehlende Bildung, ein kriminelles Umfeld oder die anonyme-, für mich feige Gemeinschaft in Internetforen der gar nicht so „sozialen“ Medien?
Angst ist - außer in blutrünstigen Actionfilmen - gesellschaftlich unpopulär, daher tun Betroffene alles Mögliche, sie zu verbergen. Manche versuchen, ihre Angst in der Kunst zu vergessen, im Garten, im Sport oder im fröhlichen Bekanntenkreis. Aber Achtung! Besonders lustige Leute verbergen hinter gut gesetzten Pointen oft nur ihre Unsicherheit und innere Zerrüttung. Nicht selten leiden sie an einem Burnout. Ein fröhlich sympathisches Auftreten mag eine gute Tarnung sein, um allseits gemocht zu werden, mit Humor hat dieser Selbstschutz jedoch nichts zu tun.
Galgenhumor hingegen ist ein wirksames Mittel, Unabwendbares mit all seiner Bitternis ins Lächerliche zu ziehen, was für Betroffene durchaus befreiend sein kann.
Der Mensch entwickelt Strategien, um sich von seinen Ängsten nicht völlig einnehmen zu lassen. Viele mussten schon erfahren, wie schwer es ist, sich aus dem kalten, fensterlosen Keller, der einem den Schlaf raubt und die Luft zum Atmen nimmt, wieder zu befreien. Wer es allein nicht schafft, braucht gute -, wirklich gute Freunde oder professionelle Hilfe. Vor allem aber muß man Hilfe zulassen.
Erfolgversprechende Strategien zentrieren sich in der Hoffnung, etwas zu finden, was ablenkt und Freude bereitet. Ein schönes Hobby zum Beispiel, eine lang ersehnte Reise, die Anschaffung eines Tieres, um das man sich kümmert und dafür mit selbstloser Zuneigung belohnt wird, die Auffrischung vernachlässigter Beziehungen und Freundschaften, oder in die Natur mit ihrer wunderbaren Flora und Fauna einzutauchen, die manche Workoholics nur noch aus Bebilderungen oder „Universum – Serien“ kennen.
Auch wenn der Mensch der größte Feind der Natur zu sein scheint, ist es nie zu spät, sie wiederzuentdecken und ihr mit Respekt zu begegnen. Man wird hinreichend dafür belohnt.
„Macht euch die Erde Untertan!“, soll Gott nach ihrer Erschaffung zu den Menschen gesagt haben. Leider gibt es viel zu viele Individien, die das völlig falsch verstanden haben.
Ich wünsche euch einen entspannten Schlaf und einen traumhaft schönen Frühling!
Eure
Stefanie Werger